PARIS, PARIS COMBIEN?


Am Anfang des langen Aufenthaltes stand das Aufgeben, Loslassen.

 

Fortgerissen in einer der unentwegt anrollenden Menschenwogen, schien ich, als Teil der vielen Neuanlandenden, wie ein winziger Tropfen in der Brandung der Stadt aufgerieben zu werden, um dann in ihr aufzugehen. Eingefasst in diese menschlichen Wellen, ihre so verschiedenen Düfte, Farben, Gesten und Laute, folgte ich eher der Intuition als der Vernunft, um meinen Platz in dieser Stadt zu finden.

 

Diese Suche kreuzte die Suche anderer.

 

Einige haben die anfängliche Leere und Einsamkeit meiner Tage in Paris an- und ausgefüllt. Wenige von ihnen durfte ich fotografisch „auffangen“. Ich konnte sie am Ende ihrer Suche außerdem dazu bewegen, mir in ihrer Sprache von ihrem Paris zu erzählen. Dieses erschien ihnen, zwar für jeden auf seine ganz besondere Art, ähnlich laut, ungestüm, schmutzig aber auch unwiderstehlich schön.Dort nicht nur vorbeizuschauen, um verklärten Reiseführerwahrheiten zu folgen, sondern zu leben, heißt die Vielzahl der zumeist versteckten Realitäten, die diese Stadt vereint, kennen und akzeptieren zu lernen.

 

Unvorbereitet dem Paris jenseits von Eiffelturm und Romantik zu begegnen, dessen andere Wahrheit, Rauheit und Kühle, Leere und Melancholie des Winters zu spüren, dessen Lachen bei den ersten Sonnenstrahlen aber auch stilles Schluchzen zu erleben, blieb für jeden eine unausbleibliche Erfahrung.

 

Ich hoffe so, dass Sichten auf diese Stadt zusammen mit den Gedanken ihrer menschlichen Portraitbegleiter entstehen, welche in eigener Weise durch den Betrachter angefüllt werden und diesem einen etwas anderen Blick in die Ferne und vielleicht auch in sich selbst zu ermöglichen.

 

 

Heiko Krause

 


LA VILLE



LES PORTRAITS